Vereinsgeschichte(n)

Der Verein für regionale Politik und Geschichte Dresden e.V. beging im Frühjahr 2015 seinen 25. Geburtstag. Zu seinen
Gründungsmitgliedern gehörten Dresdner Historiker, Archivare und Geschichtslehrer, aber auch zahlreiche an der Geschichte
Dresdens und der Region Interessierte, die ganz andere Berufe ausüben. Ihr Anliegen war und ist es, verschiedene Bereiche
der regionalen Politik und Geschichte des Dresdner Raumes aufzuarbeiten, die in den Medien bislang zu kurz gekommen
waren. Dies auch mit Blick auf das Gründungsjahr 1990 – einer Zeit der Entscheidung vieler DDR-Bürger für eine schnelle
Vereinigung und Einführung der D-Mark, der einsetzenden Konsumflut, der noch ausstehenden Abwicklung vieler Betriebe und
Einrichtungen, der Monate tiefgehender Umorientierung und Veränderung der gesamten Lebensumwelt.

Der Verein im Laufe seiner Entwicklung

Wichtige Veranstaltungen und Höhepunkte im Leben des Vereins waren in den frühen 90ern z.B. die Mitarbeit am Ausbau der
Geschäftsräume im Genossenschaftshaus der Pulsnitzer Straße 10, noch heute Sitz von HATiKVA e.V. In lockerer Folge
fanden Veranstaltungen zu regionalhistorischen und politikwissenschaftlichen Problemen statt. Dazu gehörten Foren, auf
denen versucht wurde, Ursachen für das Scheitern des Sozialismus zu benennen. Es gab Streitgespräche zum Verhältnis von
Geschichtsaufarbeitung und Veränderung sowie Vortragsreihen zu jüdischer Geschichte und Kultur in Sachsen. Zugleich
gehörten Exkursionen, so nach Theresienstadt und zum Stadtgut Görlitz, zum Vereinsleben.
1992 erwuchs aus der „Interessengemeinschaft jüdische Geschichte und Kultur“ des Vereins die Bildungs- und
Begegnungsstätte HATiKVA e.V.
Die damalige Vereinspublikation „Historische Blätter – Aus Politik und Geschichte“ hat heute schon beinahe bibliophilen Wert.
Hier veröffentlichten u.a. Christian von Ditfurth, Walter Böhme, Voitech Blodig und Günter Kirsch. Zu den erfolgreichen, z. T.
mittlerweile vergriffenen Vereinspublikationen gehören auch „Von Maria bis Mary – Frauengeschichten aus der Dresdner
Neustadt“, „Ausgesondert und fast vergessen – KZ-Außenlager auf dem Territorium des heutigen Sachsen“ oder „Dresdner
Gemeindesiegel“.
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre prägten Themenreihen, wie „Biografien unserer Zeit“ die Vereinsarbeit. Hier erzählte u.a.
Frido Seydewitz über sein Leben in Stalinschen Lagern oder E. Reichert über ihren Vater Otto Buchwitz.
Manfred Lauffer setzte sich auf mehreren Veranstaltungen unter Einsatz von originalen Film- und Tondokumenten mit der NS-
Propaganda auseinander.

Igeltour Dresden - Erfolgreicher Arbeitskreis des Vereins

Einen wichtigen Teil des Vereins bildet der Arbeitskreis igeltour, dessen Ursprünge in dem Gedanken liegen, die Dresdner
Gebiete und Themen auch abseits der Touristenpfade für Bewohner und Besucher der Stadt zu erschließen. In den 27 Jahren
seines Bestehens erweiterte igeltour sein Angebot beträchtlich: Mitglieder publizierten thematische Programmhefte und
entwickelten, bisher einmalig in Sachsen, über 100 verschiedene Themenführungen.

Darüber hinaus waren und sind Vereinsmitglieder an der Herausgabe weiterer Veröffentlichungen beteiligt, so „Stürmischer
Herbst – Chronik der Ereignisse 89“, „Spurensuche – Juden in Dresden“, „Dresdner Gedenkorte für die Opfer des NS-
Regimes“, „Der Weiße Hirsch - ein Lesebuch“ oder drei Ausgaben von „Mit igeltour auf Spurensuche“.
Zu den Höhepunkten der Arbeit und im Vereinsleben gehören die Kolloquien zu den Dresdner Ereignissen während der
bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 oder während der Reichsexekution gegen Sachsen im Jahr 1923.
Mehrere Vereinsmitglieder, darunter Volker Ruhland, Nora Goldenbogen, Michael Böttger, Peter Weidenhagen und Udo
Marlow beteiligten sich seit 1999 erfolgreich an einer Ausbildung neuer Gästeführer im Rahmen eines entsprechenden IHK-
Lehrganges. Anne Simone Knöfel erarbeitete dafür eine damals einmalige Faktensammlung “Dresden 1990 – 2002“.

„ZeitZeichen“- ein interessanter Entwicklungsabschnitt

Mit „ZeitZeichen“, Dresdens neuer Zeitschrift für regionale Politik und Geschichte, setzten sich der Verein als Herausgeber und
die Redaktion in den Jahren 2003 und 2004 mit oftmals von „offizieller“ Seite vernachlässigter Geschichte auseinander. Die
Beiträge orientieren sich am Ansatz der „Geschichte von unten“, entfernt von gefälligen oder bequemen Ansichten. Damit
entsprach „ZeitZeichen“ einem Anliegen der Gründer des Vereins, einen Beitrag zu leisten zu einer demokratischen
Streitkultur. Vermittelt wurden Hintergrundinformationen zu historisch und gegenwärtig interessanten Themen und
angesprochen wurden kontroverse Sichtweisen; Hintergründe aufgedeckt, Argumente gegenübergestellt, damit sich Leser
eine Meinung bilden konnten.
So begleiteten der Verein und die Zeitschrift wichtige regionale und lokale Ereignisse und Jubiläen Dresdens: den 50.
Jahrestag der Zerstörung Dresdens im 2. Weltkrieg durch die britische und amerikanische Airforce, den 100. Geburtstag Erich
Kästners, die 50. Wiederkehr der Grundsteinlegung für die Westseite des Altmarktes im Jahre 2003, das 175-jährige Jubiläum
der Technischen Universität im Jahre 2003, den 800. Geburtstag Dresdens 2006 oder den 25.Jahrestag des Mauerfalls.

Das Retter-Projekt

Der in Dresden geborene Heinz Dressler war gemeinsam mit seinen Eltern aus dem Krakauer Ghetto in das Arbeitslager
Płaszów deportiert worden. Er gehörte zu den rund 1200 geretteten Juden, die durch die Hilfe Oskar Schindlers die Shoa
überlebten.
Oskar Schindlers Name ist zum Synonym für jene geworden, die sich mit Mut und Mitgefühl dem rassistischen Antisemitismus
mit seinem Vernichtungsprogramm entgegenstellten. Zweifellos waren es ihrer zu wenige und doch gab es Menschen, die ihre
Möglichkeiten nutzten und weitere ersannen, um Verfolgten zu helfen und ihr Leben zu retten.
Deshalb hat der Verein für regionale Politik und Geschichte Dresden e. V. im Jahr 2006 ein regionalgeschichtliches
Forschungsprojekt ins Leben zu rufen, welches sich den Rettern und Helfern für Verfolgte in Dresden und Umgebung während
der Herrschaft des Nationalsozialismus widmet.
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Z.B. veranstaltete der Verein im Jahre 1999 27 Vorträge, Rundtischgespräche und Rundgänge, angekündigt mittels
gedruckten Halbjahresprogramme. Dazu gehörten u.a. am 13. Februar ein neuer Gedenk-Rundgang „Und wir dachten, unser
Dresden bliebe verschönt“, 14. April ein Vortrag „Der Dresdner Maiaufstand 1949“, 1. Juni im Rahmen der Streit-Reihe
„Wendezeit“ die Podiumsdiskussion „Die Kommunalwahlen vom 5. Mai „1989 - Anfang vom Ende der DDR?“ oder 12. Oktober
„Friedensreich Hundertwasser - Dekorierte Architektur“.
Am 800-jährigen Stadtjubiläum im Jahre 2006 beteiligte sich igeltour im Verein für regionale Politik und Geschichte Dresden
mit der Herausgabe des Buches „Dresden- Rundgänge durch die Geschichte“. Ein neuer Themenrundgang lautete im Jahre
2009 „Trabi, Honi, Aluchips – war das die DDR?“. Weitere Publikationen von igeltour „Dresden - Neue Rundgänge durch die
Geschichte“ erschien 2011 im Sutton Verlag Erfurt sowie 2014 in der edition Sächsische Zeitung „Dresden – Auf Spurensuche
mit igeltour“.

Aus dem jüngsten Vereinsleben

2013  
Januar Exkursion Weimar mit Prof. Rehberg zum Besuch Ausstellung „Ikarus“- Bildwelten in der DDR, neu gesehen
März „Dresdner Kulturträger im III. Reich, Karrieren in Ost- und Westdeutschland“ Veranst. gemeinsam mit Hatikva
2014  
April Vortrag „Architektur der DDR in Dresden“ mit Sigmar Baumgärtel, Dresden- Lexiko 
November Rundtischgespräch zum Mauerfall mit OB a.D. Dr. Herbert Wagner
2015  
Dezember Weihnachtsfeier im alten Weinkeller von Winzer Müller mit Geschichte(n) des Weinanbaues in Dresden
Mai Feier zum 25. Jahrestag der Gründung von igeltour im Scietaetstheater Dresden
2016  
März Wiederholte Beteiligung an Dresdner Geschichtsmarkt Hilfe für den Verschönerungsverein Weißer Hirsch/OL durch das Digitalisieren des Foto- und Postkartenarchivs

Zu Veröffentlichungen des Vereins gehören u.a.:

  • Historische Blätter. Aus Politik und Geschichte, Nr. 1- Nr. 4, 1992-1994
  • Zeitschrift des Vereins „Zeitzeichen“, 2003 und 2004
  • Mai 1849 in Dresden – Impressionen von Zeitzeugen. 1992
  • Mai 1849 – Dresden. Hrsg. Karin Jeschke, Gunda Ulbricht. ddp goldenbogen 2000, ISBN 3-932434-10-2
  • regelmäßig gedruckte igeltour Halbjahres- und Jahresprogramme seit 1996
  • Karl-Heinz Gräfe, Hans-Jürgen Töpfer: ausgesondert und fast vergessen. KZ-Außenlager Sachsen. ddp goldenbogen 1996
  • Helmut Hoffmann: nachbelichtet. ddp goldenbogen (2)1997, ISBN 3-932434-06-4
  • Hansgeorg Briese, Matthias Stresow: Dresdner Gemeindesiegel. ddp goldenbogen 1997, ISBN 3-932434-02-1
  • Una Giesecke, Jayne-Ann Igel: Von Maria bis Mary. Frauengeschichten aus der Dresdner Neustadt, ddp -
    goldenbogen1998, ISBN 3-932434-03-X, (2)2000, ISBN 3-932434-11-0

Vereinstelegramm:

Gründung: Mai 1990
derzeitige Mitglieder: 13
bisherige Vorsitzende: Prof. Dr. Walther Böhme, Dr. Nora Goldenbogen, Dr. Jürgen Töpfer, Dr. Anne-Simone Knöfel,
Dr. Sigurd Goldenbogen, Dr. Michael Böttger

Dresden im Februar 2017